Sportsponsoring in Südtirol: Top-20 bei „ambitions“ vorgestellt

Veröffentlicht am 14. September 2012

Im Auftrag von „ambitions“, dem Europaforum für Sport und Wirtschaft, hat das Bozner Meinungsforschungsinstitut „Dr. Gruber & Partner“ erstmals eine umfassende Studie zum Sportsponsoring in Südtirol erstellt. Gemeinsam mit der Freien Universität Bozen wurden landesweit über 1000 Befragungen durchgeführt, unter fünf relevanten Gruppen: Sportler, Vereine, Veranstalter, Unternehmen und Bevölkerung. An der Studie teilgenommen haben 150 Sportler, davon 30 Spitzensportler, und 133 der Top-300 Unternehmen in Südtirol. Agenturchef Gernot Gruber hat bei „ambitions“ im Kurhaus von Meran am Freitag, 14. September 2012, exklusiv die Zahlen vorgelegt. Demnach bewerten 38% der heimischen Sportler die Sponsoring-Lage in Südtirol als gut, 14% geben die Note sehr gut, 28% sprechen hingegen von einer ungenügenden Situation. Bei der Hälfte der Sportler dauert ein Sponsoringvertrag ein Jahr, 23% haben einen Sponsor sogar nur für ein einziges Event, während gerade mal 5% der Sportler über einen mehrjährigen Sponsoringvertrag verfügen.

–          Wer sind Sponsoren der Sportler: 40% Unternehmen, 20% Land, 20% Südtiroler Sporthilfe, 15% persönliche private Unterstützer (Familie, Freunde, Bekannte)

76% der Sportler finden ihren Sponsor durch aktive Suche, 24% geben an, dass Unternehmen auf sie zukommen. Finanziell bewegen sich die Sponsoringverträge bei den meisten Sportlern zwischen 1000 und 5000 Euro. 21% der Sportler bekommen weniger als 1500 Euro, und 4% kassieren bis zu 50000 Euro jährlich.

Untersucht worden ist auch das Sponsoring der über 900 Sportvereine in Südtirol: 60% der Klubs setzen auf einen Sponsoring-Pool, und haben mehr als 10 Sponsoren, nur 12% haben 1-3 Sponsoren. Als Magneten für Sponsoren wirken aus Vereinssicht das Image des Klubs, die hohe Zahl aktiver Mitglieder, erst auf Platz 3 folgen die Erfolge bei Wettkämpfen. 60% der Vereinsfunktionäre schätzen die Werbewirksamkeit ihres Klubs als hoch/sehr hoch ein, 25% als ziemlich nieder.

–          Wer sind die bekanntesten Sponsoren unter der Vereinsführung: 50% Raiffeisenkasse, 34% Brauerei Forst, 22% Südtiroler Sparkasse.

Die Chefs bzw. Marketingleiter der 133 Unternehmen wurden nach Sportarten befragt, die sie mit Südtirol in Verbindung bringen. Auf Platz 1 liegt Ski Alpin mit 19%, gefolgt von Rodeln (12%) und Bergsteigen/Klettern mit 10%. Erst auf den Plätzen 4-6 folgen die Mannschaftssportarten Fußball, Eishockey und Handball.

–          Welche Sportarten sponsern die Unternehmen: 53% Fußball, 37% Eishockey, 33% Ski Alpin

Aus diesem Ranking ist ein deutliches Ungleichgewicht ersichtlich, zwischen Bekanntheit der Sportart, und der Sportart, die gesponsert wird. Auch nimmt das Sportsponsoring in den Betrieben nur einen begrenzten Stellenwert ein, mit Platz 7. Im Schnitt geben Unternehmen 8% ihres Budgets für Sponsoring insgesamt aus. Das Sponsoring im Allgemeinen, und im Speziellen das Sportsponsoring, erklärte Gernot Gruber bei seiner Präsentation, werden offenbar (noch) nicht als zentrales Kommunikationsinstrument gesehen. Sportsponsoring wird von Unternehmen hauptsächlich als „soziales Instrument“ betrachtet (Unterstützung der örtlichen Vereine). Für die Firmen- und Marketingchefs zählt bei der Vergabe der Sponsoringmittel vor allem der persönliche Kontakt zum Gesponserten, eine definierte Strategie scheint nicht ersichtlich. Die Zukunftstrends im Sponsoring werden durch eine große Unsicherheit unter den Unternehmen dominiert, tendenziell wollen die Firmen in Südtirol mehr in Spitzensport investieren, und weniger in den Breitensport. Auch könnte sich der Sponsoringkuchen verschieben, weg vom Einzelsportler hin zum großen Sportevent. Durch Sportsponsoring konnten die befragten Unternehmen ihr Image verbessern, sowie die Mitarbeitermotivation, während sich das Sponsoring kaum auf die Absatzzahlen ausgewirkt hat.

Befragt hat das Bozner Meinungsforschungsinstitut Dr. Gruber & Partner auch die Bevölkerung zum Thema Sportsponsoring: 82% sagen, Sportsponsoring ist eine gute Sache, nur 6% sind dagegen. Diese Werte entsprechen den Daten aus Deutschland und Österreich. Wahrgenommen werden die Marken im Sport von der Bevölkerung in erster Linie auf Trikots/Bekleidung, gefolgt von der klassischen Werbung. 55% (!)  geben aber an, nicht genau sagen zu können, wo sie den Sponsor gesehen haben.

–          Wer sind die bekanntesten Südtiroler Sponsoring-Marken?

Platz 1: Salewa (18%)

Platz 2: Sportler (16%)

Platz 3: Raiffeisenkasse (13%)

In den Top-10 sind auch Unternehmen Forst, Südtiroler Sparkasse, Mila, Marlene, Südtiroler Volksbank, Dachmarke Südtirol und Despar. Der Marktführer auf dem Speck und Wurstwarenmarkt „Senfter“ liegt auf Platz 11, die Landesenergiegesellschaft SEL auf Platz 20.

Ergänzt und zum Teil auch untermauert wurden die Studienergebnisse durch die Ausführungen von Dieter Münch, dem Marketingchef des deutschen Sportsponsoring-Riesen „Würth“, und durch Walter Ausserhofer, dem Präsidenten der Südtiroler Sporthilfe. In den bisherigen 25 Jahren hat die Sporthilfe rund 1000 Nachwuchsathleten unterstützt, mit insgesamt über 3 Millionen Euro. Die Erfolge geben der Sporthilfe Recht, zu ihren früheren Schützlingen zählen 8 Olympiasieger und mehr als 40 Weltmeister.

Der bekannte ORF-Sportmoderator Rainer Pariasek hat wie gewohnt souverän durch die Veranstaltung geführt,  speziell bei der Olympia-Diskussion mit Skilegende Didier Cuche, Mountainbike-Weltmeisterin Eva Lechner und Snowboard-Star Roland Fischnaller.

Weitere Themen bei „ambitions“ 2012 im Kurhaus von Meran waren der Sponsoring-Markt im krisengeschüttelten Italien, Tourismusdestinationen und Sportevents, sowie die Nordische Ski-WM 2013 in Val di Fiemme.