Sommerzeit: Schweden-Trainer Christian Thoma im „Tibet“

Veröffentlicht am 4. Juli 2012

Er ist ein Genießer und ein Kenner: Christian Thoma hat einen Riecher für die schnellste Linie seiner Athletinnen zwischen den Torstangen, und einen Riecher für edle Tropfen. In luftiger Höhe, am Stilfserjoch auf rund 2.800 Metern Meereshöhe, hat er tief im Keller seines Alpengasthofs „Tibet Hütte“ feinste Rotweine gebunkert. Wenn die Tagestouristen in den Sommermonaten wieder die Heimreise antreten, und die Hausgäste den herrlichen Sonnenuntergang an der Grenze zwischen Südtirol und der Lombardei bewundern, dann öffnet er gerne eine Flasche aus seinem Weinkeller. Dann kreisen die Gedanken des 38-Jährigen um gastronomische Leckerbissen aus der Veltliner und der Südtiroler Küche, seine Augen strahlen: Es ist seine ganz persönliche Sommerfrische, im elterlichen Betrieb, in dem er bereits als Kind den ganzen Sommer über zu Hause war. In der „Tibet Hütte“ ticken die Uhren anders, das gesamte Haus ist anders: Sein Opa, Tourismuspionier Fritz Angerer, hatte in den Jahren 1959-61 den Rundbau mit dem markanten Turm in der Mitte gebaut, nach den Plänen des bekannten Architekten Willi Gutweniger aus Meran. Und wenn heute in Ferienregionen des gesamten Alpenraums eine Architektur gefordert wird, die sich ins Landschaftsbild einfügt, dann reicht das „Tibet“ allemal zum Vorbild, und mit der Ortler-Südwand als Kulisse fühlt sich der Gast wie ohnedies im Himalaya.

Auch die Einrichtung im „Tibet“ ist orientalisch, Kunsthandwerk aus dem Hochland verleiht dem Haus eine ganz besondere Note und hat mit Kitsch aus China-Restaurants nichts zu tun, ebenso wenig wie die Speisekarte. Dieses Flair setzt sich in den Zimmern fort, vor allem in den einfachen Hüttenzimmern im Rundturm, mit Betten, die wegen ihrer abgeschrägten Form an ein Stück Torte erinnern. Besonders komfortabel sind die neu gestalteten Hotelzimmer unterhalb der Sonnenterrasse, von der aus die Gäste einen einzigartigen Ausblick auf die Stilfserjochstraße haben. „Ich arbeite hier eigentlich in meiner Freizeit“, schmunzelt Christian Thoma, „und ich springe überall ein, wo es notwendig ist – Bar, Service, Küche“. Wäre er nicht ein gefragter Skitrainer im Weltcup geworden, hätte er sicher Karriere im Gastgewerbe gemacht. „Wir setzen in der Tibet Hütte seit jeher auf regionale Produkte, auf ortstypische Köstlichkeiten“ betont Thoma, „aber wegen des ungewöhnlichen Namens glauben leider viele Touristen, die erstmals auf das Stilfserjoch kommen, dass wir ein China-Restaurant sind“.

Die eigenwillige Architektur der „Tibet Hütte“ lässt sich nicht ändern, der Name sehr wohl. Thoma: „Mein Opa hatte sich für diese Architektur und diesen Namen entscheiden, nachdem er „Sieben Jahre in Tibet“ gelesen hatte, daraufhin entstand zudem eine enge Freundschaft mit Heinrich Harrer (1912-2006). Schweren Herzens diskutieren wir oft über eine Namensänderung – bislang ohne Ergebnis“.

Ganz ohne Skifahren kommt Christian Thoma auch im Sommer nicht aus. Auf Anfrage bietet er Privattraining am Stilfserjoch an, auf Wunsch samt Unterkunft natürlich. Offen ist die „Tibet Hütte“ je nach Schneelage von Ende Mai bis Ende Oktober. Dann steht für den gebürtigen Stilfser die nächste, große Herausforderung an, die WM-Saison 2012/2013. Für Thoma ist es die erste Saison bei den Schwedinnen, nach zuletzt zwei Jahren in Finnland. In Schweden wird sich der Vinschger hauptsächlich darum kümmern, die Lücke in den Speedbewerben zu schließen, die nach dem Karriereende von Anja Pärson entstanden ist.

Alle Informationen zum Alpengasthof „Tibet Hütte“ am Stilfserjoch gibt´s online unter www.tibet-stelvio.com