Ambitions 2013: Mondlandung und Sportsponsoring in Meran

Veröffentlicht am 20. September 2013

„Leistungssport ist ohne Sponsoren nicht möglich, das war früher so und ist es auch heute“, erklärte Tennislegende Boris Becker beim Europaforum des Sportbusiness „Ambitions“ in Meran. Im vollbesetzten Pavillon des Fleurs des ehrwürdigen Kurhauses standen am Freitag Sport und Wirtschaft im Mittelpunkt, Fachleute aus Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz brachten sich auf den neuesten Stand in Sachen Sportsponsoring.

Benjamin Steen, der Leiter digitale Medien beim Championsleague-Sieger FC Bayern München, gewährte einen Einblick in den Koloss FCB. „Die sozialen Netzwerke facebook, twitter und Co. sind die Fußgängerzonen der heutigen Zeit, wo sich die Menschen treffen“, erklärte Steen. Die Fakten untermauern: Jeder Deutsche ist im Schnitt drei Stunden pro Tag online, unterwegs in der virtuellen Welt. Diese Netzwerke haben allerdings Tücken, bei Millionen von followern ist es klar, dass Kommentare gepostet werden, die nicht geduldet werden: verletzende, rassistische, frauenfeindliche und diskriminierende Posts fliegen umgehend raus, eine FCB online-Redaktion von 20 Leuten kontrolliert rund um die Uhr facebook und twitter. Soziale Netzwerke sind eine Chance auch für kleine Vereine, betonte der Bayern-Manager. Ein facebook-Profil kostet nichts, ein Videokanal auf youtube ebenso. Damit der online-Auftritt aber Wirkung zeigt, sind mehrere Punkte zu beachten. Laut Steen muss vorab klar sein, dass solche Projekte mit viel Arbeit und Zeit verbunden sind: „Wenn ich online gehe, dann richtig“, sagt der FCB-Manager, „Anfragen von Usern müssen sofort beantwortet werden, Infos müssen generiert und gepostet werden.“ Beim FCB heißt die Devise der Posts: Emotional und exklusiv. Erst Stunden, nachdem sie über die Vereinsmedien veröffentlicht wurden, gehen Fotos, Texte usw. an andere Medien weiter.

Benjamin Steen zeigt auf, wie die sozialen Netzwerke beim FC Bayern München funktionieren

Aufgegriffen hat der Präsident der Landesenergiegesellschaft SEL, Wolfram Sparber, die Zahlen der ersten Sportsponsoring-Studie in Südtirol, die im Vorjahr bei Ambitions vorgestellt wurde. Die SEL hat sich intensiv mit den Daten befasst, und reagiert: „Wir haben klare Kriterien eingeführt, für Sportsponsoring. Wir als SEL wollen den Breitensport, die Jugend fördern, und nicht den Spitzensport. Das ist für uns eine direkte Unterstützung der gesellschaftlichen Entwicklung“, erklärte Sparber.

 

SEL-Präsident Wolfram Sparber mit Moderator Christian Pfeifer von der SWZ.

Erstklassig besetzt war die Podiumsdiskussion „Chancen und Grenzen im Sportsponsoring“, u.a. mit Tennislegende Boris Becker, Mountainbike-Weltmeisterin Eva Lechner und Sergio Anesi (Präsident OK Universiade 2013 Trentino). Becker brachte ein Dilemma auf den Punkt: Der Fußball dominiert die Branche, es wird zuviel Fußball im TV gezeigt. „Ich bin Bayern-Fan, aber die Busfahrt der Mannschaft vom Training zum Hotel muss ich nicht live im TV sehen.“ Applaus, Applaus für deine Worte, Herr Becker, und er gab zu: „Wimbledon-Sieger mit 17 Jahren, das war meine persönliche Mondlandung, plötzlich war ich weltberühmt.“ Die Marke „Boris Becker“ zieht noch heute: Fünf Wochen vor der Landtagswahl haben sich ungewöhnlich viele Politiker ins Kurhaus verirrt, für ein Foto mit Boris.

 Podium u.a. mit Sergio Anesi, Stefano Podini, Boris Becker, Dietmar Pfeifer, Josef Geisler

Fazit: Geld ist da, für Sportsponsoring. Es geht aber weg, vom Gießkannen- und Freundschaftsprinzip. Der Sponsor will einen Mehrwert für seinen Einsatz, der Gesponserte hat Auflagen zu erfüllen. Zu Recht, denn die Sponsoren werden weniger, dafür aber sind sie bereit, mehr Geld zu zahlen.