17 Monate Vorbereitung: Lucia Recchia ist fit für´s Comeback

Veröffentlicht am 7. November 2011

Seit Jahren ist Lucia Recchia aus Dietenheim bei Bruneck als „1-Frau-Team“ im Skiweltcup-Zirkus unterwegs. Als Mitglied der Sportgruppe der Finanzwache (G. S. Fiamme Gialle) trainiert sie Abseits der italienischen Speed-Damen unter der Aufsicht ihres Privattrainers Hansjörg Plankensteiner, den sie seit ihren Kindheitstagen beim Skiclub Bruneck kennt. Ihren Karrierehöhepunkt hatte Lucia Recchia bei der WM 2005 in Bormio, wo sie im Super-G die Silbermedaille geholt hat. Der ersehnte Weltcupsieg aber blieb in weiterer Folge aus, immer wieder wurde sie von Verletzungen geplagt und zurückgeworfen. Zuletzt verletzte sie sich vor einem Jahr in Lake Louise in Kanada, ihr Comeback in die WM-Saison 2010/11 fiel ins Wasser (Athroskopie im Knie). Eine erste Formüberprüfung Ende Jänner brachte bei den Super-G-Rennen von Cortina immerhin die Plätze 27 und 15 (Zweitbeste der Azzurre), aber kein Ticket für die WM in Garmisch. Mitten in der Vorbereitung auf die letzten Rennen der Saison baute „Lussy“ am Kronplatz einen Horrorsturz (Gehirnerschütterung), und musste somit erneut ihr Comeback verschieben. Sofort war klar, dass ihre ganze Aufmerksamkeit nun der kommenden Saison (2011/12) gilt. Grob gerechnet entspricht das einer Saisonvorbereitung von 17 Monaten seit der Knie-OP im April 2010, unmittelbar nach dem Weltcupfinale in Garmisch.

Hartes Fitnesstraining gehört zum Alltag

Jetzt sind die Rücken- und Knieprobleme auskuriert, es ist auch das Ergebnis des harten Trainings. Als „Einzelgängerin“ im Team der Azzurre hat die 31-Jährige inzwischen gelernt, ihr Training nach ihrem Geschmack auszurichten. „In den letzten Jahren haben mich immer mehr in eine Einzelkämpferin verwandelt, dabei hatte ich das Glück einen Trainer wie Hansjörg an meiner Seite zu haben, der nie aufgehört hat an mich zu glauben. Ich habe gelernt das Beste für mich zu machen“, sagt Lucia Recchia heute. Insgesamt 4000 Kilometer auf dem Fahrrad (Rennrad und Mountainbike) hat sie im Sommer zurückgelegt, egal ob im Urlaub auf Korsika, oder in Südtirol. „Mein Radurlaub auf Korsika war wie ein Neubeginn für mich, nachdem ich die letzten Jahre in dieser Zeit immer mit Therapien (nach Verletzungen und OPs) beschäftigt war“, strahlt Recchia. Bergwandern und Tennis runden das Fitnessprogramm ab, und weil es Spaß macht, auch ein Bad im eiskalten Gebirgsbach.

„Ist der Winter zu hart, bist du zu weich“

Etwa 60 Tage Skitraining hat sie bis jetzt durchgebracht. Anstatt mit den Azzurre im Sommer in den argentinischen Winter zu reisen, ist ihr „Miniteam“ ins Schnalstal und in den Schweizer Nobelskiort Zermatt gefahren. Dort schloss sie sich anderen „Miniteams“ an, wie etwa jenem des Kroaten Ivica Kostelic, dem Sieger des Gesamtweltcups 2010/11. Das Rennen Schnals-Zermatt hat das Schnalstal locker gewonnen. „In Schnals finde ich immer die besten Trainingsmöglichkeiten“, sagt die Dietenheimerin. Bei der Finanzierung ihrer Vorbereitung ist Lucia Recchia auf die Zusammenarbeit mit Sponsoren angewiesen. 12 private Partner listet die Vorzeigeathletin auf ihrer Homepage www.luciarecchia.it auf, dazu kommen noch ihre sieben Ausrüster.

Sicher unterwegs: Lucia Recchia mit ihrem neuen BMW

Um die Technik seines Schützlings zu verbessern, hat Hansjörg Plankensteiner im Sommer fast nur auf den Riesentorlauf gesetzt, und erst jetzt im November stehen wieder Abfahrt und Super-G auf dem Trainingsplan.

Riesentorlauftraining am Schnalstaler Gletscher

Ganz offensichtlich läuft es jetzt richtig gut für Lucia Recchia: „Eigentlich war dieser Sommer genau so, wie ich es mir gewünscht habe. Und es war das erste Mal so, seit 2006“. Dabei hat die Super-G und Abfahrtsspezialistin aus dem Pustertal trotz der vielen Rückschläge nie ans aufhören gedacht. „Ich habe in den letzten Jahren sehr viel gelernt und bin als Mensch und Athlet gereift, und ich bin fest davon überzeugt, dass ich noch viel erreichen kann.“ Ihre absolute Lieblingsstrecke ist die „Tofana“ in Cortina d´Ampezzo, eine knappe Autostunde von ihrer Heimatstadt Bruneck entfernt. „Dort möchte ich den Sprung auf das Podium schaffen, sollte es mir aber irgendwo anders gelingen, hätte ich auch nichts dagegen“, blickt Recchia mit viel Freude der neuen Saison entgegen, und fügt hinzu: „Skifahren macht mir wieder richtig Spaß“. Jetzt stehen wieder ein paar Trainingstage im Schnalstal auf dem Programm, am 23. November fliegt Lucia Recchia mit ihren Kolleginnen aus der Speed-Truppe (u.a Hanna Schnarf aus Olang und Verena Stuffer aus Gröden) nach Kanada, zum Saison-Auftakt der Speed-Ladies, mit zwei Abfahrten am 2. und 3. Dezember, und einem Super-G am 4. Dezember. Für Lucia Recchia beginnt damit die 13. (!) Saison im Skiweltcup, es ist ihr 139. Start bei einem Weltcuprennen. Südtirolski wünscht in diesem Sinne ein dreifaches „Ski heil!“