WM 2013: Pleite der Azzurri im Slalom – Hirscher-Mania feiert Gold

Veröffentlicht am 17. Februar 2013

„Rennen des Jahrhunderts“ titelte die österreichische „Kronen“-Zeitung vor dem heutigen WM-Slalom in Schladming. Von „Dimensionen wie bei der Olympia-Abfahrt 1976 in Innsbruck“ war die Rede, eine ganze Nation hat den ersten WM-Titel für Slalomstar Marcel Hirscher herbeigesehnt. Der 23-jährige Salzburger „wedelte“ im ersten Durchgang zur Laufbestzeit, im zweiten Durchgang riskierte der vierfache Saisonsieger im Slalom alles, die Rechnung ging auf, und er versetzte damit nicht nur die rund 40.000 Zuschauer im Zielstadion in Extase, sondern ganz Österreich. Für Hirscher ist es die erste Goldmedaille in einem Einzelbewerb bei einer Ski-WM, zum Wochenanfang hatte er bereits Gold im Teambewerb gewonnen, und vorgestern Freitag Silber im Riesentorlauf.

Hirscher-Mania in Schladming

Auf Platz 2, mit einem Rückstand von 0,42 Sekunden, folgt Felix Neureuther aus Deutschland. Der 29-Jährige war bereits nach dem ersten Durchgang Zweiter, er lieferte sich mit Hirscher einen sportlichen Wettkampf auf allerhöchstem Niveau. Bronze geht ebenfalls nach Österreich, an Mario Matt, er kürt sich damit zum ältesten Medaillengewinner in einem WM-Slalom, mit fast 34 Jahren.

Eine schwere Niederlage kassiert haben die Azzurri: Nach dem ersten Lauf lag Manfred Mölgg aus Enneberg wie schon im WM-Riesentorlauf auf Platz 4, im entscheidenden zweiten Durchgang aber fädelte der 30-Jährige noch vor der ersten Zwischenzeit ein – aus der Traum von der zweiten WM-Medaille in Schladming. „Es ist sch****, mich hatte es mit dem Oberkörper etwas verdreht, und schon war der Einfädler passiert. Was ich bis dahin gezeigt habe, war meine beste WM-Leistung, da bin ich mir sicher“, erklärte Manfred Mölgg im Ziel. „Dennoch, ich reise mit einer WM-Medaille im Riesentorlauf aus Schladming ab, ich bin zufrieden“, so seine Bilanz.

Wedeln vor Traumkulisse: Manfred Mölgg im WM-Slalom von Schladming

Der zweite Ausfall aus Südtirol betrifft den Sarner Patrick Thaler. Der Oldie im Team hatte den ersten Durchgang total vermasselt, ging nur als 19. in den Finallauf. Alles oder nichts war sein Motto, der 35-Jährige baute mit einer fehlerfreien Fahrt seinen Vorsprung bis auf 1,37 Sekunden aus, dann allerdings rutschte er am Innenski aus. „Der erste Durchgang war gar nichts“, sagt ein enttäuschter Patrick Thaler, „aber im zweiten Durchgang habe ich vom ersten Tor an gespürt, dass was weiter geht. Bis zu diesem blöden Fehler, wirklich schade.“ Wie stark die Fahrt von Patrick Thaler war, zeigt ein kleines Rechenbeispiel, auch wenn es für „was wäre wenn“ keine Lorbeeren gibt: Hätte Thaler seine Zwischenzeit ins Ziel gebracht, wäre er auf Platz 5 vorgefahren.

Patrick Thaler im WM-Slalom von Schladming

Ebenfalls kein Glück hatten am heutigen Sonntag die beiden anderen Azzurri im WM-Slalom. Olympiasieger Giuliano Razzoli war im ersten Durchgang bei der letzten Zwischenzeit noch auf Platz 2, kam dann aber in Rücklage und stürzte. Stefano Gross hatte in beiden Durchgängen zu viele Fehler, seinen ersten WM-Auftritt beendet der 27-Jährige auf Rang 11. Damit ist erstmals seit der WM 2001 in St. Anton kein Italiener im Slalom in den Top-10.

Erfolgreichste Nation bei der Ski-WM 2013 in Schladming sind die USA, mit vier Gold- und einer Bronzemedaille, auf Platz 2 Gastgeber Österreich, mit zwei Gold-, zwei Silber- und vier Bronzemedaillen. Italien bleibt auf Platz 7, mit zwei Silber- und einer Bronzemedaille. Aus Südtiroler Sicht verdient Schladming das Prädikat „besonders wertvoll“, denn mit der Silbermedaille von Dominik Paris in der Abfahrt wurde ein Stück Skigeschichte geschrieben, und Manfred Mölgg hat nach zwei WM-Medaillen im Slalom jetzt auch seine erste WM-Medaille im Riesentorlauf. Die nächste Ski-WM findet in den USA statt, im Jahr 2015 in Vail-Beaver Creek.