Verrückte Neuschnee-Abfahrt in Gröden – Überraschungen auch bei Azzurri

Veröffentlicht am 15. Dezember 2012

Mit zwei Stunden Verspätung ist es am heutigen Samstag soweit gewesen: Wegen des starken Schneefalls und etwas Nebel war erst ab 14 Uhr an eine Abfahrt auf der Saslong in Gröden zu denken, zuvor war im 15 Minuten-Takt die Startzeit nach hinten verschoben worden. Doch das Warten hat sich gelohnt, am Ende haben die (noch) wetterfesten Skifans eine der spannendsten Abfahrten der letzten Jahre erlebt. Der Ultner Dominik Paris (Startnummer 9) legte eine fast perfekte Fahrt hin, und war überlegen in Führung gegangen. Ein Podestplatz schien in Reichweite. Danach folgte eine knapp halbstündige Unterbrechung, und der Norweger Kjetil Jansrud sah lange wie der sichere Sieger aus, denn selbst sein Teamkollege und Top-Favorit Aksel Lund Svindal konnte keine neue Bestzeit erzielen. Mit Eric Guay (Startnummer 20) ging ein Kanadier in Führung, der Abfahrtsweltmeister konnte vor allem im Zielschuss seinen Vorsprung auf Jansrud herausfahren. Mit der Startnummer 35 dann der erste Paukenschlag: Rok Perko aus Slowenien raste vom Start bis ins Ziel allen davon und ging in Führung. Der 27-Jährige war bislang nie in den Top-10. Die Freude des Slowenen währte aber nur kurz: Mit der Startnummer 39 ging der US-amerikaner Steven Nyman ins Rennen, der Gröden-Spezialist wurde immer schneller, im Ziel blieb er als einziger Läufer unter der Zeit von 1,29 Minuten und durfte sich über seinen zweiten Weltcupsieg freuen, nach 2006, auch damals hatte er die Abfahrt in Gröden gewonnen. Detail am Rande: Der Servicemann von Nyman ist (wie schon 2006) der Südtiroler Leo Mussi. Mittlerweile wollte niemand mehr so recht an ein frühzeitiges Endergebnis glauben, selbst die drei Führenden Nyman, Perko und Guay waren sich nicht mehr sicher. Silvano Varettoni aus dem Cadore (Startnummer 51) schaffte sein erste Top-10-Ergebnis mit Rang 9, und der Passeirer Werner Heel (Startnummer 52) verpasste mit Platz 6 das Podium nur um 24/100. Mit diesem Ergebnis bessert Heel seine Abfahrtsbilanz in Gröden ordentlich auf, bis heute war auf der Saslong Rang 17 (2007) das Maß aller Dinge. „Natürlich ist es schön mit den Rängen 3 und 6 aus Gröden abzureisen, aber es tut mir leid für meine Teamkollegen, die nicht mein Wetterglück hatten“, erklärte Heel im Ziel.

Der „Zauberer der Saslong“: Werner Heel in der Passage „Ciaslat“

In der Tat klarte es ab Startnummer 30 immer mehr auf, der Schneefall hörte sogar auf. Pech hatten die anderen Südtiroler: Peter Fill und Siegmar Klotz waren mit Startnummer 2 und 3 auf die Piste gegangen, und hatten nicht den Hauch einer Chance. In diese Liste gehört auch Dominik Paris, der mit Startnummer 9 immerhin noch auf Platz 15 gefahren ist, mit Abstand sein bislang bestes Abfahrtsergebnis in Gröden. Dennoch war der Ultner etwas säuerlich und meinte: „Ich hätte sollen die Startnummernverlosung (Freitag-Abend, Anm. d. Red.) auslassen, dann wäre ich hinter die Startnummer 30 strafversetzt worden. Aber weil Skisport eben ein Freiluftsport ist, war es eben heute so“, philosophierte der 23-Jährige, der sich immerhin als einziger mit einer Nummer unter 10 in die Top-15 einreihen konnte. Keine Weltcuppunkte gab es hingegen für Christof Innerhofer. Und DIE Überraschung schlechthin in der Gröden-Abfahrt 2012 war der Niederländer Marvin van Heek. Unmittelbar hinter Werner Heel gestartet, preschte der 21-Jährige auf Platz 8 (!) vor, in seinem erst 10. Weltcuprennen. Bisher war Rang 42 sein bestes Abfahrtsergebnis. Hagen Patscheider aus Langtaufers hatte sich im Training einen Startplatz für die heutige Abfahrt ergattert, allerdings plagten den 24-Jährigen starke Rückenschmerzen in der Nacht, ein Start war heute leider nicht möglich.

Die Saslong in Gröden ist bekannt als Piste, die Läufern mit hohen Startnummern schnellere Pistenverhältnisse bieten kann, heute ist die 3446 Meter lange Strecke diesem Ruf wieder einmal gerecht geworden.

Morgen Sonntag folgt auf der Gran Risa in Alta Badia der Riesentorlauf. Drei Südtiroler sind dabei: Manfred Mölgg, Florian Eisath und der junge Gadertaler Alex Zingerle.