Nach Horrorsturz auf der Streif: Peter Fill im Interview

Veröffentlicht am 30. Januar 2013

Die Startnummer 13 hat Peter Fill bei der Hahnenkamm-Abfahrt 2013 in Kitzbühel am vergangenen Samstag kein Glück gebracht. Nach einer hervorragenden ersten Zwischenzeit nach der Mausefalle hat es der Kastelruther so richtig krachen lassen, bei der Steilhang-Ausfahrt den schmalen Grat zwischen Bestzeit und Ausfall überschritten, streifte die Begrenzungsplanen, wurde abgehoben und überschlug sich rückwärts. Wie durch ein Wunder blieb der Vizeweltmeister im Super-G 2009 (fast) unverletzt. Südtirolski hat den 30-Jährigen am heutigen Mittwoch zum Interview getroffen. Sichtbares Zeichen des Sturzes eine dicke Manschette am linken Handgelenk.

Der Sturz hat gut sichtbare Spuren hinterlassen

Südtirolski: Peter, deine Hände sind geschwollen. Was ist die Diagnose?

Peter Fill: Ich habe mich sofort nach dem Rennen untersuchen lassen. Ich habe starke Prellungen überall, im linken Handgelenk könnte ein Knochen abgesplittert sein. Die ganze Hand ist laut Angaben der Ärzte blutunterlaufen. Ich kann mit der linken Hand nicht mal mehr einen Korken halten, zwischen Daumen und Zeigefinger. Das rechte Handgelenk ist geprellt, und im linken Oberarm ist der Trizeps-Muskel zweimal eingerissen.

Südtirolski: Ist an einen Start bei der Ski-WM in Schladming ab nächste Woche überhaupt zu denken?

Peter Fill: Auf jeden Fall. Ob mit oder ohne Schmerzmittel, das wird sich zeigen. Ich lasse mir zwei Spezialschienen aus Karbon anfertigen. Ob und wie es klappt, das werde ich nach den ersten Trainings sehen.

Südtirolski: Kannst du dich an den Horrorsturz erinnern?

Peter Fill: Ja, ganz genau auch noch. Ich hab gemerkt dass es eng wird bei der Steilhang-Ausfahrt. Dann habe ich gewusst – ok – jetzt kracht es. Dass es dann so spektakulär wird, das hätte ich aber nicht gedacht. Die Flugphase ist mir unendlich lange vorgekommen. Und zum Glück bin ich nach dem Salto auf den Beinen gelandet, wäre ich am Rücken oder Kopf aufgeprallt, hätte der Crash weit schlimmere Folgen gehabt.

Südtirolski: Hast du dir den Crash auf Video angesehen?

Peter Fill: (lacht) Oh, ja. Ganz schon spektakulär. Und offenbar war ich nicht der einzige. Auf youtube sind die Videos vom Sturz bereits über 200.000 mal aufgerufen worden!

Südtirolski: Auch bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver hattest du einen sehenswerten Abflug hingelegt, die Bilder davon haben dich auf die Titelseite der Zeitung „The Herald Tribune“ gebracht…

Peter Fill: Mit einem Olympiasieg, WM-Titel oder Weltcupsieg wirst du in der Szene berühmt. Ein richtiger Crash macht dich in aller Welt berühmt. (lacht) Damals bin ich sogar auf Platz 2 der Sportunfälle des Jahres gewählt worden, das hatte noch nie ein Skifahrer zuvor geschafft. Und selbst in Kanada, wo Skirennfahrer eher unbekannt sind, sind Leute auf mich zugekommen und haben gemeint: „Bist du nicht der, der gestürzt ist. Kann ich ein Autogramm haben?“ Verrückte Welt.

Südtirolski: Kommen wir noch kurz auf die WM in Schladming zu sprechen. Wird der Sturz zum Handicap?

Peter Fill: Ich hoffe nicht. Genaues kann ich ja dazu nicht sagen, weil ich nach dem Sturz noch nicht trainiert habe. In Abfahrt und Super-G dürfte alles glatt gehen, bis auf einen etwas schlechteren Start vielleicht, durch die Verletzungen in den Handgelenken. In der Superkombination muss ich schauen, wie es mit den Torstangen im Slalom funktioniert. Das könnte schmerzhaft werden, aber irgendwie werde ich schon eine gute Lösung finden.

Südtirolski: Vielen Dank Peter Fill für das spannende Interview, und toitoitoi für die WM in Schladming.