Dominik Paris kauft der Stelvio-Piste den Schneid ab – 9. in Bormio-Abfahrt

Veröffentlicht am 29. Dezember 2011

Wahrscheinlich fürchtet sich Dominik Paris vor gar nichts, höchstens vor Mäusen. Vor der „Stelvio“-Piste in Bormio fürchtet sich der 22-jährige Ultner jedenfalls nicht, ganz sicher nicht. In den letzten zwei Wochen lag Paris zu Hause im Bett, eine Antibiotika-Unverträglichkeit musste zu allem Überfluss auch noch mit Kortison behandelt werden. Nur vier Tage konnte er ein paar Slalom-Schwünge auf der Schwemmalm fahren und noch immer sieht man im Gesicht des Speed-Spezialisten die Spuren dieses medizinischen „Unfalls“, rote Flecken und Krusten. Sein Start in Bormio war lange ungewiss, aber schon im Training hat der 95-Kilo-Mann mit Rang 14 aufgezeigt, dass er auf dem Weg der Besserung ist. Im heutigen Rennen hat Dominik Paris seine gute Startnummer 3 voll ausgenutzt, ist im Mittelteil – von Zwischenzeit 3 auf 4 – Bestzeit gefahren, und freute sich am Ende über Rang 9, seinem zweiten Top-10-Platz in der Abfahrt nach Chamonix im Jänner 2011. „Ich hätte noch mehr angreifen können“, sagte Paris im Ziel, „vor allem im Schlussteil“. Und während üblicherweise Bormio als extrem anspruchsvolle Strecke gilt, zeigt sich der Ultner wenig beeindruckt: „Heute war´s halb so wild“, er lächelt verschmitzt und über die Lautsprecheranlage betont der Stadionsprecher: „Bormio is pure adrenaline“. Wenn das so weiter geht, dann ist Dominik Paris im Jänner wieder für eine Überraschung gut, bei den nächsten Abfahrtsklassikern Wengen und Kitzbühel.

Nach Erkrankung wieder da: Dominik Paris

Zweitbester der Azzurri, damit aber nicht zufrieden, ist Peter Fill. Der Kastelruther hat eine fehlerfreie Fahrt in den Schnee gezaubert, er hat allerdings vor allem im oberen Streckenteil unerklärlich viel Zeit liegen lassen. Von der letzten Zwischenzeit bis in Ziel fuhr Fill die zweitbeste Teilzeit, Rang 18 ist aber nichts für einen zweifachen WM-Medaillengewinner. „Vielleicht habe ich nicht den richtigen Ski gewählt, genaueres wird die Video-Analyse zeigen“, erklärte der 29-Jährige, der schon morgen seinen nächsten Einsatz hat, beim Fanclub-Rennen mit Denise Karbon auf der Seiser Alm.

Hadert ein wenig mit dem Glück: Peter Fill

Sein bestes Abfahrtsergebnis eingestellt hat der Pawigler Siegmar Klotz mit Rang 24. Auf dem Tag genau vor einem Jahr schaffte Klotz ebenfalls in Bormio dieses Resultat, der damit sehr zufrieden ist. Unerklärlich weit hinten ist Werner Heel, der Passierer kassiert ohne sichtbaren Fehler fast 5 Sekunden, und keiner weiß warum, er am allerwenigsten – so schaut Krise aus. Eine Schrecksekunde hatte Christof Innerhofer, dem Gaiser verschlug es im Mittelteil die Ski, mit einer akrobatischen Einlage konnte er einen Sturz vermeiden, fuhr jedoch am Tor vorbei und wurde aus der Wertung genommen. „Jetzt brauche ich ein paar Tage Ruhe, Silvester ist für mich nicht mehr so wichtig wie vor ein paar Jahren“, erklärte der WM-Dritte in der Abfahrt von Garmisch 2011.

Werner Heel findet auch in Bormio keinen Weg aus dem Formtief

Bis Silvester feiern werden dagegen die Schweizer, und ihr Trainerteam mit den Vinschgern Roland Platzer und Andreas  Thöni; ihr Schützling Didier Defago hat nach einjähriger Verletzungspause (Kreuzbandriss) heute die Abfahrt von Bormio gewonnen, vor seinem Teamkollegen Patrick Küng. Auf Platz 3 der Trainingsschnellste von gestern, Klaus Kröll aus Österreich. Die nächste Abfahrt in Wengen am 14. Jänner wird ein Heimspiel für die Schweizer.