Cristian Deville triumphiert in Kitzbühel – sein erster Weltcupsieg

Veröffentlicht am 22. Januar 2012

Beim 77. Anlauf hat es geklappt. 76 Weltcuprennen hat Cristian Deville aus Moena im Fassatal „gewartet“, ehe er seinen ersten Weltcup-Sieg feiert, und das nicht irgendwo, sondern ausgerechnet in Kitzbühel, dem Mekka des Skisports. Sein Sieg ist keine Überraschung, Deville ist in dieser Saison konstant ganz vorne mitgefahren, bereits beim Slalom-Auftakt in Beaver Creek wurde er Zweiter. Es folgen die Ränge 6, 3, 4 und 6, und nur ein Ausfall, in Adelboden ging er im zweiten Durchgang in den Schnee, nachdem er zur Halbzeit gemeinsam mit Marcel Hirscher in Führung lag. Am Ganslernhang in Kitzbühel ist Cristian Deville heute ein „Traumlauf“ gelungen. Nach dem ersten Durchgang lag Deville „nur“ auf Rang 4, mit 0,73 Sekunden Rückstand auf den Führenden Mario Matt. „Ich war damit gar nicht zufrieden“, erklärte Deville. Der zweite Durchgang entwickelte sich dann zum Krimi: Wegen der starken Niederschläge der vergangenen Tage war die Piste aufgeweicht, es entstanden Schläge und richtige Wannen. Cristian Deville ging hoch konzentriert in den Finallauf, den sein Trainer Jacques Theolier  gesetzt hat, und fand schnell in den Rhythmus.

„No risk, no fun“ – Cristian Deville am Ganslernhang

„Ich hatte ja nichts zu verlieren“, erklärte Deville im Ziel, „mit diesem Rückstand dachte ich gar nicht ans Podium, geschweige denn an den Sieg“. Im Ziel war Cristian Deville, der vor knapp 3 Wochen 31 Jahre alt geworden ist, fast eine Sekunde schneller als der Franzose Steve Missillier, der gerade zuvor Bestzeit gefahren war. Ebenfalls nicht an Deville herangekommen ist Marcel Hirscher, der zudem noch wegen eines Torfehlers disqualifiziert wurde. Ivica Kostelic, der kroatische Altmeister, hatte einige Patzer, und  musste sich im Endklassement mit Rang 3 zufrieden geben, hinter dem Halbzeitführenden Mario Matt auf Platz 2, der auch viel Zeit auf Cristian Deville eingebüßt hat. Mit dem riesigen Vorsprung von 0,72 Sekunden setzte sich der Trentiner also durch. Der passionierte Tennisspieler darf ein Preisgeld von 75.000 Euro nach Hause nehmen, und im Sommer, so ist es üblich in Kitzbühel, wird eine Gondel der „Hahnenkamm-Umlaufbahn“ nach den Siegern benannt. In Zukunft gibt es also eine Alberto Tomba-Gondel, eine Franz Klammer-Gondel, und eben auch eine Cristian Deville-Gondel. „Ich muss lachen, wenn ich mir das vorstelle. Im Sommer werde ich nach Kitzbühel fahren, in der Talstation auf meine Gondel warten, und einsteigen“, so Deville.

Volles Haus im Zielstadion

Mannschaftlich haben die Azzurri heute erneut eine solide Leistung gezeigt, mit Giuliano Razzoli auf Rang 7 und  Patrick Thaler auf Rang 12. Der Sarner war auf dem Weg in die Top-6, als er kurz vor dem Ziel einen Sturz nur mit viel Körperbeherrschung vermeiden konnte, und viel Geschwindigkeit und Zeit einbüßte. „Heute bin ich richtig sauer“, war der Kommentar des 33-Jährigen. Manfred Mölgg aus Enneberg wurde genauso wie Stefano Gross aus dem Fassatal ein Opfer der Bindungstechnik: Auf der ramponierten Piste löste sich bei beiden Läufern der linke Ski, das Rennen war für sie schneller vorbei, als gedacht.

Patrick Thaler lässt seinen Ärger raus – und lächelt für´s Foto 🙂

Die Kombinationswertung aus Abfahrt und Slalom hat Ivica Kostelic souverän gewonnen, vor den Schweizern Beat Feuz und Silvan Zurbriggen. Christof Innerhofer aus Gais fuhr auf Rang 8, der Ultner Dominik Paris auf Platz 11. Der Kastelruther Peter Fill wurde nach dem ersten Slalom-Durchgang wegen eines Einfädlers disqualifiziert. „Die Piste war so unruhig“, erklärte Fill nach dem Rennen, „ich bin mir nicht sicher, ob ich eingefädelt habe. Das könnte auch ein Schlagloch gewesen sein“. Damit sind wir beim nächsten Thema, das hier in Kitzbühel für Schlagzeilen sorgt: Kostelic behauptet, Marcel Hirscher hätte beim Nachtslalom in Zagreb eingefädelt, daher sei sein Sieg nicht rechtens. „Der Sieg ist für den Moment, die Schande für immer“, zitierte Kostelic einen französischen Offizier aus dem 15. Jahrhundert, was österreichische Medien als einen Zweifel an der sportlichen Integrität von Marcel Hirscher auslegen.

Die Slalomsieger bei der Pressekonferenz: Mario Matt, Cristian Deville und Ivica Kostelic

Übermorgen Dienstag geht die nun mit allen Mitteln geführte Slalom-Show weiter, mit dem Nightrace in Schladming in der Steiermark.  Wenn sich zwei Streiten, freut sich der Dritte, heißt es so schön. Und was heute funktioniert hat, könnte auch in Schladming funktionieren.