Chaostage in Lenzerheide gehen weiter – auch Super-G abgesagt

Veröffentlicht am 14. März 2013

Bis zum Weltcupfinale in dieser Woche hier in Lenzerheide in Schweiz sind alle Bewerbe der Herren in dieser Saison planmäßig durchgeführt worden. Jetzt aber kommt das dicke Ende: Nach der Abfahrt gestern ist auch der Super-G am heutigen Donnerstag abgesagt worden. Aber der Reihe nach: Nach einer Startverschiebung auf 13 Uhr ging der Franzose Gauthier de Tessieres mit der Startnummer 1 ins Rennen, produzierte während seiner Fahrt auf der „Silvano Beltrametti“-Piste gleich mehrere „Showeinlagen“, und die Jury kam erneut zu einer Aussprache zusammen. Die Trainer von fünf Nationen waren für ein Rennen, die Trainer von fünf anderen Nationen gegen den Re-Start. Am Ende konnten die Athleten entscheiden, und die Mehrheit der Befragten (u.a. Christof Innerhofer und Siegmar Klotz) war für ein Rennen. Also ging wieder ein Vorläufer auf die Strecke, und der Super-G ging weiter. Mit Startnummer 8 zeigte Christof Innerhofer vor allem im Mittelteil eine starke Leistung, lag bei der letzten Zwischenzeit vor de Tessieres, im Ziel hatte der Gaiser dann aber 0,31 Sekunden Rückstand – Platz 2. Gleich nach Innerhofer kam Siegmar Klotz an die Reihe, über weite Strecken konnte der Pawigler mit Innerhofer und de Tessieres mithalten, im letzten Abschnitt aber kassierte Klotz ein paar Zehntel, schaffte dennoch Platz 3. Klaus Kröll, mit Startnummer 9, hatte bei der Zufahrt zur 180-Grad-Kurve im Mittelteil eine Welle übersehen, hob wie ein Skispringer ab, und krachte mit voller Wucht in die Netze. Nach einem Salto blieb der Steirer benommen liegen. Mit dem Hubschrauber wurde Kröll ins Krankenhaus nach Chur geflogen, dort stellten die Ärzte einen Bruch im linken Oberarm fest, sowie eine Schulterverletzung. Kröll wurde umgehend operiert. Während des Rettungseinsatzes verschlechterten sich die Wetterbedingungen vorübergehend, der Österreichische Skiverband zog seine Läufer vom Start ab, und wenige Minuten später lenkte die Jury ein: Der Super-G wird abgesagt und ersatzlos gestrichen! Pech für Gauthier de Tessieres, der Vizeweltmeister im Super-G wurde (möglicherweise) um seinen ersten Weltcupsieg gebracht, Pech für Christof Innerhofer, der Gaiser wurde um sein zweites Super-G-Podium in dieser Saison gebracht, und Pech für Siegmar Klotz, der Pawigler wurde um seinen ersten Podestplatz überhaupt gebracht.

Christof Innerhofer ist auch am Saisonende noch in bestechender Form

„Es war schwierig zu fahren, aber nicht unmöglich“, erklärte Innerhofer im Ziel. „Dass jetzt auch der Super-G gestrichen wird, ist sehr schade, denn ich hätte sicher den Sprung in die Top-10 der Disziplinenwertung geschafft, so bleibe ich Dreizehnter. Das große Problem aber ist, dass der Internationale Skiverband FIS nicht flexibel ist. In der Abfahrt ist die Kugel-Entscheidung am grünen Tisch gefallen, dafür wird morgen Freitag der Teambewerb, wo es um nichts geht, bei sonnigem Wetter gefahren“, ärgert sich der Gaiser. „Der Teambewerb ist weder für Sponsoren, noch für uns Läufer interessant“, setzt Innerhofer noch eins drauf. Unrecht hat er freilich nicht: Das US-Team wird, so heißt es, nicht am Teambewerb teilnehmen, die Speed-Damen ziehen es vor in ihre Heimat zu fliegen, um sich auf die US-Meisterschaften vorzubereiten.

Auch Siegmar Klotz prangert die FIS an: „Das ist ein Schmarrn, der Teambewerb hat im Vergleich zu einem „richtigen“ Skirennen keinen Wert. Die Regel, dass beim Finale keine Terminverschiebungen möglich sind, schadet dem Skisport.“ Zu seinem „virtuellen“ dritten Platz sagt Klotz: „Es war keine schlechte Fahrt, die Kurve, wo es Klaus (Klaus Kröll, Anm. d. Red.) zerlegt hat, war schwierig zu fahren. Schon bei der Besichtigung wussten wir, dass es eng werden wird. Dritter wäre ich wahrscheinlich nicht geblieben, aber ein Top-10-Platz wäre es sicher geworden. Schade.“

Hat sich im Super-G an die Weltspitze gekämpft: Siegmar Klotz

Wenige Minuten nach der Absage des Super-G der Herren kam die zweite Absage des Tages: Auch der Super-G der Damen wurde ersatzlos gestrichen. Damit hat Tina Maze aus Slowenien die Disziplinienwertung gewonnen, vor Julia Mancuso aus den USA. Bei den Herren stand Aksel Lund Svindal aus Norwegen schon vorzeitig als Weltcupsieger fest. Matteo Marsaglia wurde in der Super-G-Wertung Zweiter, Werner Heel Vierter, Christof Innerhofer 13., Siegmar Klotz 16., Peter Fill 17., und Dominik Paris beendet die Super-G-Saison auf Rang 23.

Morgen geht das Weltcupfinale in Lenzerheide weiter, mit guten Wetteraussichten. Auf dem Programm steht der Teambewerb – wir dürfen gespannt sein, wieviele Nationen teilnehmen werden!