„Schnell Skifahren musst du immer“ – Stefan Thanei ist jetzt Skicrosser

Veröffentlicht am 5. September 2012

Mit 22 Jahren hat Stefan Thanei aus Burgeis im Vinschgau sein erstes Skiweltcup-Rennen bestritten, bei der Abfahrt in Chamonix im Jänner 2004 belegte er Rang 59. Schon lange war klar, der Junge hat Talent, doch der Weg nach oben war steil und oft steinig. Der als „Trainingsweltmeister“ gehandelte Abfahrts- und Super-G-Spezialist schaffte in den darauffolgenden Jahren immerhin zwei Top-10-Plätze in Kitzbühel (Platz 8 Abfahrt, Platz 10 Kombination 2009), und eine WM-Teilnahme (Val d´Isere 2009). Und er hält wahrscheinlich einen Weltrekord für die Ewigkeit: Bei der Kombinations-Abfahrt 2005 in Wengen wurde der Burgeiser im Hangeggschuss mit 156,96 Km/h „geblitzt“, die höchste je bei einem Skiweltcuprennen gemessene Geschwindigkeit.

Stefan Thanei jubelt im Ziel der „Streif“

Danach warfen den 31-Jährigen eine hartnäckige Sprunggelenksverletzung und einige Materialwechsel, von Atomic zu Dynastar, wieder zurück zu Atomic und dann weiter zu Fischer, völlig aus der Bahn. Über den Europacup versuchte „Lou“ die Rückkehr in den Skiweltcup zu schaffen, was aber nicht gelang. Im vergangenen Winter machte dann der Skicross-Weltcup in Innichen im Pustertal Station. Auf der von seinem ehemaligen Teamkollegen Kurt Sulzenbacher angelegten Strecke am Haunold wagte Stefan Thanei aus reiner Neugier einen Start, der erste Schritt zu Karriere Nummer 2 war getan. „Es war unglaublich“, erinnert sich der Wahl-Meraner an seine Premiere im Skicross, „ich war zwar in der Qualifikation gescheitert, doch ich hatte jede Menge Spaß“. Es folgten daraufhin noch einige Starts bei Skicross-Bewerben, parallel zu den Europacup-Rennen bei den Alpinen. Weil auf zwei Hochzeiten tanzen aber bekanntlich nicht funktioniert, musste eine Entscheidung her. „Mir ist der Wechsel zum Skicross eigentlich leicht gefallen, meine Familie und mein Arbeitgeber (Sportgruppe der Forstwache, Anm. d. Red.) waren auch dafür“, sagt der Neo-Skicrosser, „zumal die Erfolgsaussichten bei den Alpinen ohnedies bescheiden waren“. Dann ging alles Schlag auf Schlag: Das Training wurde umgestellt, und auf die Bedürfnisse der Skicrosser angepasst. Mehr Oberkörper- und Armtraining für den Start, mehr Schnellkraft und mehr Ausdauer, weil im Idealfall bis zu fünf Läufe pro Tag auf dem Programm stehen. Stefan Thanei fühlt sich in seiner neuen Rolle sichtlich wohl: „Die Stimmung beim Skicross ist recht locker, auf der Strecke kämpft jeder für sich, Mann gegen Mann, ohne Rücksicht auf Verluste. Nach dem Rennen aber geht es entspannt zu, ob du früher Skiweltcupläufer oder Schachspieler warst, interessiert niemanden“. Die ersten Erfolge sind auch schon da: Im Frühjahr hat sich der Vorzeigeathlet auf Anhieb den Italienmeistertitel im Skicross gesichert, bei den Österreichischen Meisterschaften wurde er Zweiter. In der Weltrangliste im Skicross liegt Stefan Thanei „nur“ auf Rang 65, allerdings ist er auch nicht die gesamte Saison durchgefahren. Dennoch, oder gerade deswegen, ist der 31-Jährige in die vierköpfige Nationalmannschaft der Azzurri aufgenommen worden, mit der er auch die Saisonvorbereitung jetzt im Sommer bestreitet. Im kommenden Winter will er sich einen Startplatz bei der Skicross-WM 2013 in Norwegen sichern, und in der Szene Fuß fassen. Sein letztes Skiweltcup-Rennen bestritten hat Thanei, und damit schließt sich der Kreis, im Jänner 2011 in Chamonix, genau dort wo er sieben Jahre zuvor sein Debüt gegeben hatte. Südtirolski wünscht dem Neo-Skicrosser Stefan Thanei viel Spaß und viel Erfolg!